Beim Schweißen beeinflussen nicht nur Stromstärke und Spannung das Ergebnis, sondern auch das dynamische Verhalten des Lichtbogens.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die sogenannte Induktivität. Sie wirkt sich darauf aus, wie „hart“ oder „weich“ der Lichtbogen reagiert und wie sich der Schweißprozess anfühlt.
Was bedeutet Induktivität beim Schweißen?
Die Induktivität beschreibt, wie schnell sich der Schweißstrom bei Kurzschlüssen im Lichtbogen verändert.
Beim MIG/MAG-Schweißen entstehen ständig kurze Stromunterbrechungen, wenn der Draht das Schmelzbad berührt. Die Induktivität beeinflusst, wie abrupt oder gedämpft das Gerät auf diese Stromänderungen reagiert.
Vereinfacht gesagt:
Die Induktivität bestimmt, ob der Lichtbogen eher hart und direkt oder weich und ruhig arbeitet.
Wie wirkt sich die Induktivität auf den Schweißprozess aus?
Je nach eingestellter Induktivität verändert sich das Schweißverhalten spürbar:
Niedrige Induktivität
→ schneller Stromanstieg
→ kurzer, harter Lichtbogen
→ höhere Abschmelzleistung
→ mehr Spritzer möglichHohe Induktivität
→ langsamer Stromanstieg
→ weicher, ruhiger Lichtbogen
→ weniger Spritzer
→ gleichmäßiger Nahtaufbau
Die Induktivität wirkt dabei ausschließlich auf das zeitliche Verhalten des Stroms, nicht auf die maximale Leistung des Geräts.
Warum gibt es eine Induktivitätsregelung?
Unterschiedliche Materialien, Blechdicken und Schweißpositionen erfordern ein unterschiedliches Lichtbogenverhalten.
Die Induktivitätsregelung ermöglicht es, den Schweißprozess gezielt an die jeweilige Anwendung anzupassen, ohne grundlegende Parameter wie Strom oder Drahtvorschub zu verändern.
Vorteile der Induktivitätseinstellung
Beeinflussung der Lichtbogenruhe
Reduzierung von Schweißspritzern
Besseres Nahtbild
Angenehmeres Schweißgefühl
Anpassung an dünne oder dickere Materialien
Gerade bei Dünnblechen kann eine höhere Induktivität helfen, den Prozess kontrollierter und sauberer zu gestalten.
Typische Anwendungsbeispiele
Dünnblech:
Höhere Induktivität → weicher Lichtbogen, weniger Spritzer, bessere KontrolleDickeres Material:
Niedrigere Induktivität → direkter Lichtbogen, höherer EinbrandPositionsschweißen:
Angepasste Induktivität → stabilerer Prozess in Zwangslagen
Induktivität bei MIG/MAG-Schweißgeräten
Die Induktivität ist vor allem beim MIG/MAG-Schweißen relevant, da hier der Drahtvorschub und der Lichtbogen kontinuierlich zusammenwirken.
Viele moderne Geräte, wie z.B. die MIG 210 SYN von RED by Lorch regeln die Induktivität automatisch oder bieten dem Anwender eine manuelle Einstellmöglichkeit zur Feinabstimmung.
Zusammenfassung
Die Induktivität ist ein wichtiger Stellfaktor für das dynamische Verhalten des Lichtbogens.
Sie beeinflusst, wie ruhig, weich oder direkt der Schweißprozess abläuft, und hilft dabei, Spritzer zu reduzieren und die Nahtqualität zu verbessern.
Durch die richtige Einstellung lässt sich der Schweißprozess optimal an Material, Position und persönliche Arbeitsweise anpassen.
Hinweis:
Ob und wie die Induktivität eingestellt werden kann, ist geräteabhängig.
Weitere Informationen findest du in den gerätespezifischen Beiträgen der Wissensdatenbank oder in der jeweiligen Bedienungsanleitung deines RED Schweißgerätes